Gebärdensprache und ihre Anerkennung

Die Sprache der Gehörlosen Gemeinschaft und Kultur Folgen einer Anerkennung Erlernen der Gebärdensprache

Die Sprache der Gehörlosen

Die deutsche Gebärdensprache bildet ein vollständigen linguistisches System, mit dem sich alle Belange des täglichen Lebens aber auch Schule, Ausbildung und Studium problemlos ausdrücken lassen.

Als solche ist die Gebärdensprache der Lautsprache völlig ebenbürtig und gleichberechtigt, so dass sie als die Sprache eines Teils unserer Gesellschaft angesehen werden muss.

Die Gebärdensprach ist auch keine neue Erfindung, sondern war seit jeher der Weg, auf dem sich die Gehörlosen untereinander verständigt haben. Das erste mal wird die Kommunikation mit den Händen von Platon etwa 2500 vor Chr. erwähnt.

Für die sprachliche Entwicklung eines Kindes ist es unbedingt erforderlich frühzeitig eine Sprache zu erlernen, dabei ist es für die Bildung der entsprechenden Zentren im Gehirn unerheblich, welcher Art diese Sprache ist. Es hat sich gezeigt, dass bei der Ausbildung des Sprachzentrums nicht eine bestimmte Sprache und Grammatik notwendig ist, sondern überhaupt das richtige Erlernen einer Sprache erforderlich ist.

Deshalb ist der schlimmste Fehler, der von Eltern gemacht werden kann, die Versäumnis DGS nicht zu erlernen und damit, wenn das Kind sprachlichen Kontakt aufnehmen möchte keine adäquate Kommunikationsform anbieten zu können.

Gelegentlich wird auf die mangelnde lautsprachliche Kompetenz von Gehörlosen hingewiesen, was insbesonderer die schriftlichen Ausdrucksmöglichkeiten betrifft. Ein Grund dafür kann darin liegen, dass versucht wird, gehörlosen Kindern zunächst die Lautsprache beizubringen, und erst wenn dies scheitert, wird auf DGS umgestiegen. Bis das geschieht sind dem Kind aber schon mehrere Jahre an Sprachentwicklung verloren gegangen, die nicht mehr aufgeholt werden können. Ein anderer wichtiger Punkt ist, dass die Kinder mit dem Wunsch der Eltern oder Schule die lautsprache zu lernen und anzuwenden überfordert werden, was ihnen den Spaß und die Lust daran nimmt. Der bessere Weg ist wahrscheinlich, gleich mit DGS zu beginnen und erst in Kindergarten und Schule bilingual zu unterrichten.

Für Gehörlose sind mir leider keine Untersuchungen bekannt, die diese Vermutung belegen, allerdings konnte man an Kindern von Ausländern feststellen, dass der Erwerb der Muttersprache das erfolgreiche erlernen weiterer Sprachen erst möglich macht. Ich gehe davon aus, dass dies auch für DGS als Muttersprache der Gehörlosen zutrifft.

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Gemeinschaft und Kultur

Die Gebärdensprache bildet tatsächlich eine eigenständige Sprache mit eigenständiger Grammatik und einer eigenen Kultur, die sich dem Außenstehenden nicht immer auf den ersten Blick erschließt.

Zwar werden die selben Wörter verwendet wie in der gesprochenen Sprache, aber wo und wie abgekürzt wird, welche Geste welche Bedeutung hat, das kann sich erheblich von den Gewohnheiten der Hörenden unterscheiden.

Diese besondere Entwicklung ist vielleicht zu verstehen, wenn man bedenkt, wie anstrengend es ist, den ganzen Tag mit den Händen zu reden, so dass Gelenkprobleme bei Gebärdensprachdolmetschern eine bekannte Berufskrankheit sind, da muss man natürlich sparsam mit den Gebärden umgehen und sich sparsam ausdrücken.

Das schränkt die Ausdrucksmöglichkeiten aber nicht ein, im Gegenteil durch das Zusammenspiel von Gebärden und Mimik, die ein wesentlicher Bestandteil der Sprache sind verschaffen einen reichhaltigen Schatz an Ausdrucksmöglichkeiten.

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Folgen einer Anerkennung

Die Anerkennung der Deutschen Gebärdensprache wird die Integration der Betroffenen erheblich fördern, weil damit die Notwendigkeit einhergeht, die Sprache an den Schulen zu lehren.

Darüberhinaus müssen auch Dolmetscher auf Ämtern und bei Ärzten gestellt werden, was leider noch nicht verständlich ist. Mit der Anerkennung würden dann aber auch Ärzte und Beamte DGS lernen und die umständliche Dreiwegekommunikation entfallen.

Das alles kostet natürlich viel Geld, aber das ist ein schlechtes Argument wenn es darum geht, das Miteinander zu erleichtern. Denn es ist in Deutschland noch immer so, dass Gehörlose benachteiligt und bei der Arbeitsuche übergangen werden, ganz zu schweigen von der falschen Vorstellung, dass das erlernen der Gebärdensprache den späteren Erwerb der gesprochenen Sprache behindert.
Im Gegenteil denke ich sogar, dass es sinnvoll ist auch bei hörenden Kleinkindern Gebärden einzusetzen um die Kommunikation zwischen Eltern und Kind so früh wie möglich aufzunehmen.

Früher war man der Meinung, dass die Gebärdensprache etwas schlechtes sei, dass man unterbinden müsste, das ist Falsch (Stichwort "Deutsche Methode", die den Kindern verbot Gebärden einzusetzen). Die DGS ermöglicht die Kommunikation unter den Gehörlosen und auch zwischen Gehörlosen und Hörenden.

Die Bilinguale Erziehung in zwei Sprachen zeigt keinerlei Nachteile beim Erwerb der jeweils anderen, weshalb bereits an einigen Kindergärten auch Englisch oder Französisch gesprochen wird, warum das auf DGS nicht zutreffen sollte, ist nicht einzusehen.
In Zukunft wird es hoffentlich für Gehörlose die selben Beruflichen und gesellschaftlichen Möglichkeiten geben wie für die Hörenden, das kann aber nur erreicht werden, wenn eine breite Basis der Bevölkerung die Notwendigkeit für die Anerkennung der Gebärdensprache erkennt.

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Erlernen der Gebärdensprache

An vielen Volkshochschulen und Gehörlosenzentren wird Gebärdensprache in regulären Kursen Angeboten für hörende Eltern gehörloser Kinder und andere an diese Sprache Interessierte ist das sicher die beste Möglichkeit einen Einstieg zu finden, zumal die Kursleiter auch oft gehörlos sind so dass es keine rein theoretische Veranstaltung bleibt.

Manchmal sind die Kurse nicht so leicht zu finden, weil sie in unterschiedlichen Rubriken einsortiert werden, da hilft dann nur etwas Geduld beim Suchen oder einfach mal bei der lokalen VHS nachzufragen.

Daneben gibt es auch Studiengänge, z.B. in Hamburg: Institut für Deutsche Gebärdensprache . In denen man die Sprache studieren oder sich zum Dolmetscher ausbilden lassen kann.

Gehörlos geborene Kinder lernen die Gebärdensprache am besten von ihren Eltern, die entweder selbst Gehörlos sind und DGS beherrschen oder so vorausschauend waren, frühzeitig einen DGS-Kurs zu belegen. Wenn die Kinder dann in den Kindergarten und in die Schule kommen, wo sie viele andere Gehörlose treffen, lernen idealerweise wieder die Eltern von ihren Kindern.

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